Wie erstellt man ein sicheres Passwort nach BSI-Empfehlung?
Das Bundesamt fur Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) veroffentlicht klare Empfehlungen zur Passwortsicherheit (BSI IT-Grundschutz, Massnahme M 4.48, sowie die Technische Richtlinie BSI TR-02102):
Die BSI-Empfehlungen im Uberblick:
- Mindestens 8 Zeichen fur einfache Systeme mit weiteren Schutzmassnahmen (Kontosperrung nach Fehlversuchen)
- Mindestens 12 Zeichen fur Konten ohne zusatzliche Sperrung
- 20 Zeichen oder mehr fur kritische Konten (E-Mail-Verwaltung, VPN, Systemadministration)
- Vollig zufallig, keine Worter aus Worterbuchern, keine Namen, keine Daten
- Einzigartig pro Dienst, ein wiederverwendetes Passwort macht aus einem Datenleck viele Kompromittierungen
Das BSI empfiehlt mittlerweile den Einsatz von Passwort-Managern als Standardlosung fur private und berufliche Nutzer, da diese die Erstellung und Verwaltung langer, einzigartiger Passworter fur jeden Dienst vereinfachen.
Erzwungene regelmasige Passwortwechsel werden vom BSI nicht mehr empfohlen, solange kein Kompromittierungsverdacht besteht. Sie fuhren erfahrungsgemas zu schwachen, vorhersehbaren Mustern.
Was macht ein Passwort wirklich schwer zu knacken?
Angreifer probieren Passworter nicht buchstabenweise durch. Sie verwenden:
- Worterbuch-Angriffe: Listen mit gangigen Wortern, Namen und bekannten geleakten Passwortern (die "rockyou"-Liste enthalt 14 Millionen Eintrage)
- Credential Stuffing: Nutzername-Passwort-Paare aus einem Datenleck werden auf anderen Diensten ausprobiert
- Brute Force: alle moglichen Kombinationen, was nur bei kurzen Passwortern praktikabel ist
Ein Passwort mit 16 Zeichen, vollig zufallig und einzigartig pro Konto, widersteht allen drei Angriffsarten. Komplexitatsregeln (Grossbuchstabe, Ziffer, Sonderzeichen) zahlen deutlich weniger als Lange und Zufalligkeit.
Das BSI weist darauf hin, dass Angreifer hochentwickelte Werkzeuge nutzen: Ein modernes GPU-Cluster kann Milliarden von einfachen Hash-Kombinationen pro Sekunde testen. Gegen solche Angriffe schutzt nur Lange und echter Zufall.
Wie pruft man, ob das eigene Passwort in einem Datenleck aufgetaucht ist?
Wenn ein genutzter Dienst gehackt wird, konnen E-Mail-Adresse und Passwort (als Hash oder, bei schlecht gesicherten Diensten, als Klartext) in kriminellen Foren verkauft werden. Eine Uberpruefung zeigt, welche alten Passworter geandert werden sollten.
Have I Been Pwned (haveibeenpwned.com) ist der bekannteste Dienst fur solche Uberpruefungen. Er wurde vom Sicherheitsforscher Troy Hunt entwickelt und katalogisiert Milliarden von Datenpaar-Eintragen aus Tausenden von Leaks. Die Eingabe der E-Mail-Adresse zeigt, in welchen Leaks sie erschienen ist und welche Daten betroffen waren.
Erscheint die eigene E-Mail in einem Datenleck: Passwort des betroffenen Dienstes sofort andern, pruefen ob dasselbe Passwort anderswo verwendet wurde, und Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren, wo verfugbar.
Das BSI empfiehlt diese Art von Uberpruefung im Rahmen der allgemeinen Hygiene fur digitale Konten.
Wie schutzt Hashing gespeicherte Passworter?
Wenn ein Dienst Passworter korrekt speichert, legt er nie den Klartext ab. Stattdessen wird das Passwort durch eine Hash-Funktion geschickt, eine mathematische Einwegoperation, die eine Ausgabe fester Lange erzeugt, den sogenannten Hash oder Prufwert.
Bei der Anmeldung hasht der Dienst das eingegebene Passwort und vergleicht es mit dem gespeicherten Hash. Bei Ubereinstimmung ist die Authentifizierung erfolgreich, ohne dass der Server das eigentliche Passwort je kannte.
Kernmerkmale kryptografischer Hash-Funktionen:
- Einwegfunktion: Der Hash kann nicht zur ursprunglichen Eingabe zuruckgefuhrt werden
- Deterministisch: Dieselbe Eingabe ergibt immer denselben Hash
- Kollisionsresistent: Zwei verschiedene Eingaben sollten nicht denselben Hash ergeben
Fur die Passwortspeicherung sind langsame Algorithmen besser: bcrypt, scrypt und Argon2 sind rechenaufwandig konzipiert, sodass Brute-Force-Angriffe auch bei gestohlenem Datenbank-Dump unpraktikabel sind. SHA-256 und SHA-512 sind schnell (gut fur Dateiintegritaetspruefungen), aber zu schnell fur Passworter, eine moderne GPU kann Milliarden von SHA-256-Hashes pro Sekunde testen.
Artikel 32 DSGVO verlangt "geeignete technische Massnahmen" fur gespeicherte personenbezogene Daten. Die NIS2-Richtlinie (seit Oktober 2024 in deutsches Recht umgesetzt durch das NIS2UmsuCG) stellt erhoehte Anforderungen an kritische Betreiber. Die Verwendung von MD5 oder Klartext-Speicherung gilt als nicht ausreichend und kann zu Bussgeldern der Datenschutzbehoerden fuhren.
Ist Base64 eine Form der Verschlusselung?
Nein. Base64 ist eine Kodierung, keine Verschlusselung. Es wandelt Binardaten in eine Zeichenkette aus 64 druckbaren ASCII-Zeichen um. Das Ergebnis sieht verschlusselt aus, kann aber von jedem Werkzeug, auch der Browser-Entwicklerkonsole, sofort ohne Schlussel umgekehrt werden.
Base64 dient dem Transport von Binardaten durch Systeme, die nur Text verarbeiten: eingebettete Bilder in HTML-Mails, JWT-Token, binare API-Nutzdaten.
Base64 nie zur Verbergung sensibler Daten verwenden. Kodierung ist kein Schutz. Ein Passwort oder API-Schlussel, der als Base64 gespeichert ist, ist praktisch im Klartext gespeichert. Echter Schutz erfordert echte Verschlusselung (AES-256 oder gleichwertig).
Was ist Zwei-Faktor-Authentifizierung und warum ist sie wichtig?
Die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) fugt eine zweite Prufung neben dem Passwort hinzu. Selbst wenn ein Angreifer das korrekte Passwort kennt (durch ein Datenleck, Phishing oder Erraten), kann er sich ohne den zweiten Faktor nicht anmelden.
Die drei gangigen 2FA-Typen nach Sicherheitsstufe:
- Authenticator-App (Google Authenticator, Authy, Microsoft Authenticator), generiert einen 6-stelligen Code, der sich alle 30 Sekunden andert. Widersteht den meisten Standard-Phishing-Angriffen.
- Hardware-Sicherheitsschlussel (YubiKey, FIDO2-Passkey), ein physisches Gerat zum Einstecken oder Antippen. Die sicherste Option; der Schlussel ist an den jeweiligen Dienst gebunden, sodass Phishing-Angriffe den Code nicht abfangen konnen.
- SMS-Code, besser als kein 2FA, aber anfallig fur SIM-Swapping-Angriffe.
Das BSI empfiehlt, 2FA zuerst fur E-Mail-Konten zu aktivieren (E-Mail ist der Wiederherstellungsmechanismus fur fast alle anderen Konten), dann fur Online-Banking und Berufskonten.
Fur Entwickler gilt: Implementieren Sie TOTP (Time-based One-Time Password, RFC 6238). Bibliotheken existieren in allen gangigen Sprachen (PHP: otp-php, Python: pyotp, Node.js: speakeasy). Das BSI Grundschutz-Kompendium (Baustein ORP.4, Identitats- und Berechtigungsmanagement) empfiehlt MFA als Standard fur alle kritischen Systeme.
Praktische Checkliste
- Passworter: 12 Zeichen Minimum (BSI), 20+ fur kritische Konten, vollig zufallig, einzigartig pro Dienst
- Speicherung: Passwort-Manager (Bitwarden ist kostenlos und Open Source)
- Leak-Pruefung: E-Mail-Adresse auf haveibeenpwned.com suchen
- Entwickler-Verantwortung: bcrypt oder Argon2 verwenden, nie MD5 oder Klartext
- 2FA: fur E-Mail, Online-Banking und alle Konten mit personlichen Daten oder Zahlungsinformationen aktivieren
- Base64 ist keine Sicherheitsmassnahme, AES-256 fur alles verwenden, was wirklich geschutzt werden muss