Der BMI wurde 1835 für Bevölkerungsstatistiken erfunden, nicht zur individuellen Gesundheitsbewertung
Adolphe Quetelet, belgischer Mathematiker, entwickelte seinen Index 1835, um das "Durchschnittsmaß" einer Bevölkerung zu beschreiben, nicht um die Gesundheit eines Einzelnen zu beurteilen. 1972 prägte der Physiologe Ancel Keys den Begriff "Body Mass Index" und schlug ihn als Bevölkerungs-Screening-Tool vor. Seitdem wird er weltweit als Standard eingesetzt, trotz erheblicher Einschränkungen, die die DGE und das RKI ausdrücklich benennen.
BMI-Kategorien nach WHO
| BMI-Bereich | Kategorie |
|---|---|
| < 18,5 | Untergewicht |
| 18,5 - 24,9 | Normalgewicht |
| 25,0 - 29,9 | Übergewicht |
| 30,0 - 34,9 | Adipositas Grad I |
| 35,0 - 39,9 | Adipositas Grad II |
| ≥ 40,0 | Adipositas Grad III (schwer) |
Wichtig: "Adipositas" bezeichnet in Deutschland Fettleibigkeit (BMI ≥ 30), "Übergewicht" dagegen BMI 25-29,9. Diese Unterscheidung ist im deutschen medizinischen Sprachgebrauch präzise und wichtig.
Taillenumfang als Ergänzung, DGE und DHL empfehlen
Der Taillenumfang ist ein besserer Prädiktor für das kardiovaskuläre Risiko als der BMI allein:
| Taillenumfang | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| Erhöhtes Risiko | > 94 cm | > 80 cm |
| Stark erhöhtes Risiko | > 102 cm | > 88 cm |
Wann der BMI in die Irre führt
- Sportler und Muskulöse: Ein Leistungssportler mit 90 kg bei 1,80 m hat BMI 27,8 (Übergewicht), ohne Fettleibigkeit. Muskeln wiegen mehr als Fett.
- Sarkopene Adipositas: Ältere Menschen können einen "normalen" BMI haben, aber kaum Muskelmasse mit viel viszeralem Fett, das gefährlichste Szenario, vom BMI nicht erkannt.
- Asiatische Bevölkerungen: WHO-Konsultation 2004 empfahl niedrigere Grenzwerte für Ost- und Südasiaten (Übergewicht ab 23, Adipositas ab 27,5), da das kardiovaskuläre Risiko bei niedrigerem BMI einsetzt.
Kontext Deutschland
Rund 25 % der deutschen Erwachsenen sind adipös (BMI ≥ 30), weitere 36 % haben Übergewicht. Tendenz seit 25 Jahren steigend. Das RKI (Robert Koch-Institut) überwacht diese Daten im Rahmen der GEDA-Studie (Gesundheit in Deutschland aktuell).
Quelle: WHO, DGE, RKI GEDA. Ärztliche Beratung für individuelle Diagnose und Behandlung.